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  • Partner beim Trinken erwischt - Wie reagieren?

    Angenommen folgende Situation liegt vor: der Partner/die Partnerin ist seit Jahren trocken, und man erwischt ihn/sie zufällig wie er/sie heimlich trinkt. Wie reagieren?

    Schwierige Situation - Angst, Frust, Enttäuschung sind sicherlich nicht die einzigen Gefühle, die dabei auftreten.

    Rein rational gesehen: kann Hilfe angenommen werden bzw. kann sie (effektiv) gegeben werden?

    Erstellt von: Yogibaer am 25.09.2014 01:36

    Yogibaer du schreibst: kann Hilfe angenommen werden bzw. kann sie (effektiv) gegeben werden?

     Ich denke den Gedanken, die Hoffnung dass der Partner Hilfe annehmen wird um wieder von der Sucht wegzukommen, wird jeder haben sobald man den ersten Schock verarbeitet hat. (Betonung liegt wohl eher auf Hoffnung.)

     Ich glaube schon dass man den Partner dabei effektiv unterstützen kann. Es wäre für mich ein schlimmer Zustand, wenn ich nur hilflos und machtlos zusehen und daneben stehen könnte. Oder befinde ich mich auf einem Irrweg?

     

    In dem Moment, in dem man den Partner beim Trinken erwischt, gibt es bei der Reaktion ein "Richtig" und ein "Falsch"? Soll man z.B. einfach nur wortlos zur Wohnungstür raus und erst mal für ein paar Stunden gehen? Oder versuchen in Ruhe mit dem Partner zu reden? 

    Erstellt von: Alexa am 25.09.2014 18:20

    Zunächst einmal werden wohl beim "Erwischten" negative Gefühle auftreten, denn erwischt werden ist nie angenehm, egal wobei. Diese negativen Gefühle werden dann wiederrum weggetrunken. Wortlos gehen halte ich daher für nicht hilfreich, da sich beim "Erwischten" auch noch die Unsicherheit einstellt, was passiert nun?

    Ist der Partner gleich beim 1. mal Trinken erwischt worden, ist es noch etwas anderes als wenn das heimliche Trinken schon eine zeitlang praktiziert worden ist. Beim 1. mal kann man evtl. noch darauf hoffen dass eine Einsicht vom "Erwischten" kommt und er selbst sofort Hilfe annimmt. Geht das heimliche Trinken schon über einen längeren Zeitraum hat das Suchtmittel ( in diesem Fall der Alkohol) die Steuerung des Gehirns übernommen. Das heißt im Klartext, der"Erwischte" wird alles unternehmen um weiter trinken zu können. In Ruhe reden ist dann wohl so effektiv wie mit einer Parkuhr zu reden. Da der "Erwischte" wohl auch nicht die Wahrheit über den wirklichen Konsum sagen wird, ist es wohl sinnvoll auf eine schnelle Entgiftung in einer Entgiftungseinrichtung oder einem Krankenhaus zu drängen. Dort kann der Teufelskreis der Sucht unterbrochen werden. Ohne Alkohol im Körper wird die Gesprächsbereitschaft und die Einsicht eine andere sein als mit Alkohol im Körper. Wie man den "Erwischten" jedoch zur einer Entgiftung "drängt" ist ein bisschen eine Gradwanderung. Auch wenn ich als Rückfälliger wusste das eine Entgiftung das einzigst richtige ist, hab ich mich doch versucht dagegen zu wehren.

    Erstellt von: Micha am 26.09.2014 18:06

    Das bedeutet also, wenn man Glück hat, kann man den Rückfälligen zu einer Entgiftung überreden, zwingen oder wie immer man das auch nennen mag, und wenn das nicht gelingt hat man Pech gehabt und muss irgendwie mit seiner Abhängigheit klar kommen und damit leben.... oder sich eben eines Tages trennen...  Es sei denn es macht irgendwann selber in seinem Kopf "klick" und er begibt sich von sich aus zur Entgiftung weil er wieder abstinent werden möchte.  ?

    Erstellt von: Alexa am 03.10.2014 19:26

    und muss irgendwie mit seiner Abhängigheit klar kommen und damit leben

    Dieses bedeutet wohl das du dich selbst in eine Abhängigkeit begibst. Diese nennt sich Co-Abhängigkeit. Der "Klick" in seinem Kopf wird sich dadurch wohl auch nach hinten schieben. Denn warum etwas ändern wenn doch fast alles in Ordnung zu sein scheint.

    Es gibt viele "Druckmittel" um den Abhängigen zur Einsicht zu bewegen und damit zur Entgiftung. Es gibt also keinen Grund zu resignieren.

    Erstellt von: Micha am 05.10.2014 13:50

    Sicherlich besteht immer Hoffnung, dass sich der Betroffene (wieder) besinnt.

    Für mich es eher eine Frage des Leidensdrucks. Solange er jemanden hat, der mit seinem Co-abhängigen Verhalten die Sucht unterstützt, wird er wohl kaum zu einer Einsicht kommen.

     

     

    Erstellt von: yogibaer am 08.10.2014 16:13

    Dass doch noch Hoffnung besteht und man nicht resignieren muss, ist sehr beruhigend. 
    Was mich allerdings ein wenig ins straucheln bringt ist diese Co-Abhängigkeit. Ich würde sicherlich nicht, so wie unter diesem Thema als Beispiel aufgeführt, seinen Chef anrufen und ihn entschuldigen, wenn er betrunken im Bett liegt und nicht zur Arbeit gehen kann. Das soll er mal schön selber machen. Aber in allen Situationen ins offene Messer rennen lassen und ihn auflaufen lassen? Sowas macht man ja schliesslich auch mit einem nicht-abhängigen Partner nicht. Ausserdem ist man in manchen Situationen selbst auch "blamiert" und schiesst sich mit ins Aus. 
    Also dieses Druckmittel habe ich soweit verstanden. Ihn nicht unterstützen, so dass für ihn alles erledigt wird und er in Ruhe weiter trinken kann weil ja alles geregelt wird. Gibt es noch weitere Druckmittel?

     

     

    Erstellt von: Alexa am 12.10.2014 13:20