Hilfe durch Selbsthilfegruppen


Nach vielen Besuchen in Therapiegruppen und Fachkliniken habe ich den Eindruck gewonnen, Selbsthilfegruppen scheinen nicht sonderlich  wichtig für die betroffenen Suchtabhängigen zu sein.

„Ich mache hier meine Therapie und das reicht mir“. Diese oder ähnliche Aussagen sind während einer ambulanten oder stationären Behandlung des Abhängigen nicht selten.

Bei diesen halbherzig Interessierten hören sich Äußerungen meist so an: „Die Selbsthilfegruppen sind alle überaltert". „Da sitzen doch eh nur Rentner“.  „Das bringt mir doch alles nichts".

Hier bleibt die gewünschte Selbstverantwortung des Einzelnen auf der Strecke. Allerdings kann ich mich wirklich nicht erinnern, dass schon mal die Frage nach dem Altersschnitt gestellt wurde. Mag natürlich an mir liegen, denn vom Rentenalter bin ich noch Jahrzehnte entfernt. Wie viele andere Besucher von Selbsthilfegruppen auch.

Auch die Frage: „Wie gestalte ich die plötzlich mehr gewordenen Zeit, mein neues Leben nach der Therapie, um möglichst Abstinent zu bleiben“; wird so gut wie nie gestellt.

Vor der Therapie gab es Probleme, denen zu wenig, oder keine Beachtung gegeben wurden. Daraus entwickelte sich der Teufelskreis, zu denen dann auch noch die Probleme durch den Konsum von Suchtmitteln hinzukamen. Wenn ich nun abstinent lebe fallen die Probleme die es direkt wegen dem Suchtmittel gab weg. Bleiben noch die Probleme des Alltags, denn diese werden mir erhalten bleiben, müssen aber dennoch abgearbeitet werden. Anfangs, nach einer Therapie, habe ich es noch im Kopf meine Probleme schnell lösen zu wollen. Allerdings ist die schnelle Lösung nicht immer sofort zu erreichen. Auf manches haben wir nun keinen Einfluss.

„Ich muss ein Schreiben versenden. Mache ich morgen, da der Postkasten heute eh nicht mehr gelehrt wird“.

Von denjenigen, die Gruppen besucht haben und rückfällig wurden, ist oft zu hören: „Ich habe die Gruppe schleifen lassen“. Was heißt das im Klartext? Bin nur noch selten hingegangen, dann ganz ferngeblieben und habe somit für den großen „Knall", meinen Rückfall gesorgt.

Ob diejenigen nur die Gruppe haben schleifen lassen? Oder alltägliche Dinge auch auf „morgen“ vertagt worden sind?  Einfach die erforderliche Wachsamkeit gefehlt hat? Die Probleme häufen sich und werden mehr und mehr ...
In einer Selbsthilfegruppe werden Sie Woche für Woche daran erinnert, dass Sie an einer Abhängigkeits-Erkrankung leiden. Zwingend ist ein wöchentlicher Besuch nicht, aber eine gewisse Gleichmässigkeit ist erwünscht.

Wenn Sie nun gegen Ende ihrer Therapie diese Zeilen lesen und sich dann sagen:

1. „Nach der Therapie brauche ich erst mal Pause von der Gruppe“. – Wird aber auch endlich Zeit sich mal nicht mit Sucht beschäftigen zu müssen.

2. „Ich weiß nicht, wenn mich da jemand kennt?“ – Nachher spricht man über mich, oder es erfahren noch andere von meiner Sucht.

3. „Das sind doch alles nur Rentner“. – Soll ich mich da etwa wohl fühlen? Alles nur langweilig. Die sind immerhin schon 10, 20 Jahre oder länger dabei und abstinent. Was soll ich da?

4. „Außer meinem Partner soll niemand wissen, dass ich ein Problem mit Alkohol habe“. – Geht doch keinen etwas an.

Haben Sie etwa Angst, Unterstützung für die Abstinenz zu bekommen?

(MK)