Co-Abhängig – aber ich doch nicht ...


... genau dass dachte ich auch immer, wenn jemand zu mir sagte du bist Co-Abhängig. Was bildet der oder die sich denn ein. Ich bin doch nicht Co-Abhängig. Wie können andere das einfach nur mal so behaupten.

Es ist ein langer Weg in die Co-Abhängigkeit. Auch ein langer Weg das für sich selbst zu verstehen, zu glauben, dass ich das wirklich bin.

Besonders tut es weh, sich einzugestehen, zu erkennen ich mache etwas mit meiner gut gemeinten Hilfe falsch. Immer wieder habe ich mir gesagt: „Nur ich kann ihm helfen". Ich bin ja sooo stark, ich schaffe das schon.

Jetzt baute ich einen Schutzwall um mich und meinen Partner. Denn keiner hat das Recht zu sagen er ist krank, er braucht professionelle Hilfe. Wie kann das ein Außenstehender überhaupt sagen oder beurteilen. Wir schafften uns so eine eigene kleine Welt, wo solche gemeine Aussagen nicht reinpassten.

Ich war mir im Grunde genommen vollkommen im Klaren, dass etwas nicht so richtig läuft, aber es zu ändern kostet viel Kraft. Und es ist immer die Angst im Nacken den so geliebten Partner, wenn ich ihm die Wahrheit sage, zu verlieren. Es dauert sehr lange sich einzugestehen: „So will und kann ich nicht weiter leben‘‘.

Was kann denn die Konsequenz sein, wenn ich dies meinem Partner mit Nachdruck so direkt sage, insbesondere weil ich das ja schon öfters getan habe, halbherzig, aber nie ganz so ernst um ihn ja nicht zu verlieren. Jetzt habe ich eine Wandlung durchgemacht, für mich steht fest, ich will so nicht mehr. Bloß wie mache das meinem Partner eindeutig klar?

Aber es kommt der Punkt wo einfach nichts mehr geht, wo ich merke, dass die Liebe zu meinem Partner immer mehr in Wut, vielleicht auch schon in Hass und Unverständnis umschlägt. Den Absprung zu schaffen, etwas zu verändern, bevor der Partner nicht mehr geliebt wird, ist schwer. In dem Moment hilft einem nur ehrlich zu sich selbst zu sein und auch in Kauf nehmen, dass der Partner einen verlässt, weil ihm das Suchtmittel wichtiger geworden ist. Es kann auch sein, dass er noch nicht bereit ist sich einzugestehen, dass er das Problem hat und nicht ich. Sein Versuch mit bitten und betteln eine Umstimmung zu erreichen ist fehlgeschlagen und sollte ihm nicht mehr gelingen, auch wenn das hart bleiben persönlich große Schmerzen bereitet.

In solchen Situationen wusste ich nie an wen kann ich mich wenden. Wo bekomme ich die Hilfe, die ich am dringendsten brauchte. Bei Verwandten und Freunden wollte ich mich nicht blicken lassen, mein Schamgefühl war zu groß. Außerdem war deren Reaktion schon bei ähnlichen Gesprächen meist: „Das haben wir dir doch schon immer gesagt, du wolltest ja nicht auf uns hören, er braucht Hilfe und du schaffst das nicht allein‘‘. Ein Angebot wo ich mir die Hilfe holen sollte war leider nicht dabei.

Alleine und hilflos stehe ich da mit meiner Angst alles zu verlieren.