Kooperation mit Angehörigen


In den Jahren 2010 und 2011 waren, Inka Schlaak und Monika Fritzke, die beiden Anleiterinnen der Angehörigen Gruppe des Lukas Werks im Rahmen ihrer Ausbildung zur Suchtkrankenhelferin als 'Praktikantinnen' mehrfach zu Besuch in der SHG am Montag des Braunschweiger Freundeskreises.

Schon nach wenigen Besuchen der 'Praktikantinnen' kristalisierte sich das Interesse auf beiden Seiten der Suchterkrankungen heraus, in einen intensiven und freien Austausch zu treten.

Nach einem informellen Treffen zwischen den Anleitern beider Gruppen kam es im August 2012 zu einem ersten Treffen beider Seiten.

Vorerst sollten nur Gruppenmitglieder teilnehmen, die sich stark genug fühlten, die vorgebrachten Aussagen nicht als persönlichen Angriff bzw. als erweitertes Angebot für sich selbst anzusehen.

Die ehrenamtliche Umsetzung des Grundgedankens einen intensiven Austausch zu fördern, sollte nicht mit therapeutischen Ansätzen verwechselt werden. Außerdem ist die Offenheit und die Ehrlichkeit inklusive der Verschwiegenheit natürlich oberstes Gebot bei diesen Treffen.

Im sechs bis acht wöchigen Rhythmus trifft sich die Gruppe, deren Mitglieder auch immer mal wieder wechseln.

Zu Beginn wurde der Anfang noch unter ein bestimmtes Oberthema gestellt, um einen raschen Diskussionsstart zu forcieren. Doch im Laufe der Zeit wurde es durch aktuelle und anonymisierte Inhalte aus den Gruppen ersetzt.

Kernfragen nach dem Umgang mit den unterschiedlichen Erwartungen nach Therapieende und nach dem möglichen Vertrauensaufbau in der Anfangszeit der Abstinenz sind ebenso vertreten, wie die (innerpartnerschaftliche) Konfliktbewältigung ohne Suchtmittel oder die Frage nach Kontrollen des Betroffenen durch die Anghörigen.

Sehr schnell fassten die Anwesenden Vertrauen zu einander, so dass immer wieder eigene und sehr persönliche Erfahrungen erzählt wurden und in die Diskussion miteinfließen konnten.

Dabei kommt immer wieder auch ein Irrglaube auf der Angehörigenseite ans Tageslicht: die absolute und vollständige Heilung nach der Entzugsbehandlung und Langzeittherapie!

Gerade um diesem Aberglauben den Boden zu entziehen, werden die 'süchtigen' Mitglieder der Gruppe und natürlich auch die Anleiterinnen der Angehörigengruppe nicht müde zu betonen, dass nur die völlige Abstinenz und der Besuch einer Selbsthilfegruppe die Krankheit zum Stillstand bringen können.

Gerade deswegen kommen den poststationären Paargesprächen eine besondere Bedeutung zu, können sie doch den Paaren einige Hilfestellungen geben, den nicht mehr trinkenden Teil der Beziehung besser zu verstehen und besser zu begreifen.

Neben der Montagsgruppe kann auch die Angehörigengruppe darüber berichten, dass es immer wieder vorkommt, dass neue Gruppenmitglieder nur ein oder zwei Mal erscheinen und dann ohne Angaben von Gründen nicht mehr wieder kommen. Dann laufen die Bemühungen der übrigen Mitglieder auf beiden Seiten der Suchterkrankung ins Leere.

Oder Vorschläge, aus den Erfahrungen gewonnen, werden nur gehört und nicht ansatzweise überdacht bzw. finden keinen Eingang in das Leben des Hilfesuchenden.

Ein weiteres großes Themenfeld ist die eigene Wahrnehmung und die Wahrnehmung der anderen von dem Trinkenden.

Die Selbstwahrnehmung ist oft durch den Alkohol verschleiert gewesen, Fehlverhalten wurde nicht als solches registriert und besonders in der nassen Zeit wurde es nicht als Fehler angesehen. Häufig macht auch eine Trennung wärhrend des Entzugs oder kurz danach eine selbstkritische Auseinandersetzung mit diesem Thema annähernd unmöglich.

Während der intensiven Gespräche mit den 'Anderen' bekommen die Betroffenen eine andere Sichtweise, auch auf ihr eigenes nasses Verhalten. Dazu kommen die Wahrnehmungen der Angehörigen, die ihren Partner 'nass' erlebt haben.

Im (persönlichen) Abgleich der Aussagen beider Seiten stellt sich das Verhalten mancher, die sich vom Betroffenen abgewandt haben, in einem völlige anderen Licht da.

Nur der fortgeführte Austausch über die Grenzen der Alkoholsucht hinweg kann beiden Seiten helfen, die jeweils andere besser zu verstehen.

Braunschweiger Freundeskreis

(Artikel erscheint auch im Echo 2/2013)