Jahrbuch Sucht 2014


Im April erschien das Jahrbuch Sucht der „Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.“ (DHS). Dieser Artikel zitiert die am 22.04.2014 von der DHS herausgegebenen Pressemitteilungen.

Wer seiner Gesundheit schaden will, ist mit legalen Suchtmitteln gut bedient: Alle 7 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch durch Alkoholkonsum allein oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak. Das sind 74.000 Menschen pro Jahr diese füllen problemlos die Plätze des Berliner Olympiastadions. An den Folgen des Rauchens allein sterben jedes Jahr zwischen 100.000 und 120.000 Menschen eine mittelgroße Stadt wie Jena, Koblenz oder Ulm löst sich damit sprichwörtlich in Rauch auf.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Organschädigungen: Vom Scheitel bis zur Sohle gefährden Alkohol und Tabak Leib und Leben. Alkoholkonsum hängt mit mehr als 200 Erkrankungen sowie 80 Arten von Unfällen und Verletzungen zusammen. Pro Jahr ist er in Europa ursächlich für den Verlust von mehr als 10 Millionen Lebensjahren. Tabak ist nach wie vor die Ursache Nr. 1 für vorzeitiges Sterben, Alkohol auf Platz 3 steht dem kaum nach  und auch Bluthochdruck (Platz 2) ist eng verbunden mit dem Konsum der beiden legalen Drogen. Die häufige Kombination von Alkohol und Tabak befeuert die gesundheitsschädigende Wirkung. Alkoholkonsum macht Appetit auf Tabakrauchen und Tabakrauchen Appetit auf Alkohol. Ein garantiert riskanter Genuss.

 

Daten und Fakten

Alkohol

Im Jahre 2012 wurde mit 9,5 Liter reinem Alkohol fast ebenso viel getrunken wie im Jahr zuvor. Seit 2007 liegt der Pro Kopf-Konsum knapp unter 10 l reinem Alkohol. Im Verbrauch je Einwohner verschiebt sich die Vorliebe der Bundesbürger für Wein (+1,0%) zu Ungunsten von Bier (-0,2%). Dennoch: Gut die Hälfte (53,1%) des Gesamtkonsums, gemessen am Gesamtkonsum von 135,4 Liter Fertigware, wird als Bier konsumiert und rund ein Viertel (23,5%) als Wein.

Im Vergleich in den EU-Staaten (inkl. der Beitrittskandidaten Norwegen und Schweiz) steht Deutschland in 2012 mit einem Alkoholkonsum der Bevölkerung ab 15 Jahren mit 12,87 Litern reinen Alkohols nach einigen osteuropäischen Ländern, Portugal, Spanien und Österreich an 13. Stelle.

In Deutschland konsumieren ca. 10 Mio. Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise, wenn sie mehr als 12 g (Frauen) bzw. 24 g (Männer) täglich konsumieren. Knapp 1,8 Mio. Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig, 1,6 Mio. trinken in missbräuchlicher Weise.

Weiterhin muss von jährlich 26,7 Mrd. € volkswirtschaftlicher Kosten infolge alkohol-bezogener Krankheiten ausgegangen werden. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,284 Mrd. € gegenüber. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seinen Steuersätzen bis auf Schaumwein unter dem europäischen Mittelwert: Je Liter reinen Alkohols werden für Branntwein/Spirituosen 13,03 € verlangt (EU Mittelwert 16,95€), für 1 l Schaumwein 13,60 € (EU Mittelwert 6,29 €), für Bier 1,97 € (EU 7,28 €). Für Wein wird keine alkoholbezogene Steuer erhoben, der EU Mittelwert liegt bei 5,80 €.

Über eine halbe Milliarde € (562 Mio.) wurde 2012 für Alkoholwerbung in TV, Rundfunk, Plakate und Presse ausgegeben, ungeachtet der Ausgaben für Sponsoring und Werbung im Internet.

Tabak

Der Rückgang des Zigarettenverbrauchs fällt mit 1,2% im Jahre 2013 geringer aus als im Vergleich zum Vorjahr 2012 (-5,9%). Konsumiert wurden im Jahr 2013: 996 Zigaretten je Einwohner (2012: 1.008). Die Zahl gerauchter Zigarren und Zigarillos sank im Jahr 2013 um 6,2% auf 3.560 (2012: 3.795). Der Pfeifentabakverbrauch stieg im selben Zeitraum auf 1.200 t (+16,6%), während der Feinschnittverbrauch um 4,4% auf 25.734 t zurückging. Diese Veränderung weist auf geänderte Konsummuster hin. Hier greifen Preiserhöhungen, Abgabebeschränkungen und Gesundheitsbewusstsein.

Die Tabaksteuereinnahmen gingen um 0,05% auf 14.129 Mio. € leicht zurück (2012: 14.136 Mio. €). In Deutschland rauchen dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2012 zufolge (30 Tage Prävalenz, DSM-IV 2009) ca. 30,2% der 18- bis 64-Jährigen (34% der Männer und 26,2% der Frauen). Es muss von jährlich 100.000 – 120.00 tabakbedingten Todesfällen ausgegangen werden, dazu kommen lt. einer Schätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums etwa 3.300 Todesfälle durch Passivrauchen.

Eine Studie des Robert Koch-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der

Raucherinnen und Raucher im Alter von 18 – 29 Jahren (Männer: 47,0%, Frauen: 40,0%) am höchsten ist, während im Alter von 70 – 79 Jahren der Anteil bei Männern nur noch 10,2% und bei Frauen 5,7% beträgt.

Glücksspiel

Die Umsätze auf dem Glücksspiel-Markt (ohne Soziallotterien, Sportwetten und Online-Glücksspiele von privaten und ausländischen Anbietern) sind im Jahr 2012 mit 33 Mrd. € leicht rückläufig (-1,0%).

Der Umsatz der gewerblichen Geldspielautomaten stieg zwischen 2002 und 2012 um 236% auf 19,2 Mrd. €. Im Jahr 2012 waren in Deutschland 265.000 Spielautomaten aufgestellt.

Psychotrope Medikamente

Schätzungsweise 1,4 – 1,5 Mio. Menschen in Deutschland sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotential. 1,1 – 1,2 Mio. Menschen von Benzodiazepin-Derivaten und weitere 300.000 – 400.000 Menschen von anderen Arzneimitteln. Andere Schätzungen sprechen sogar von 1,9 Mio. abhängigen Menschen.

4 – 5% aller häufig verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotential und sind verschreibungspflichtig. Schätzungsweise ein Drittel dieser Mittel werden nicht wegen akuter Probleme, sondern langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet.

 

Die kompletten Pressemitteilungen können auf www.dhs.de nachgelesen werden!

(RM)