Rückfälle vermeiden und kritische Situationen bewältigen


Rückfallgefahr

Rückfälle sind keineswegs Zeichen von Willensschwäche oder Gleichgültigkeit.
Für Menschen, die eine Abhängigkeit besiegt haben, gibt es einige kritische Situationen in denen sie rückfallgefährdet sind. Es ist sehr wichtig, die eigene Gefährdung rechtzeitig zu erkennen.
Die Abstinenz und der richtige Umgang mit einem Suchtmittel muss erlernt werden. Dieses erlernte Verhalten verringert die Gefahr eines Rückfalls. Sollte es doch zu einem Rückfall kommen, sollte man dem Rückfall so schnell wie möglich wieder entgegenwirken und ihn überwinden.


Angaben der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.) :

Die Rückfallhäufigkeit nach einem halben Jahr nach Beendigung einer stationären Entwöhnungsbehandlung bei Alkoholabhängigen beträgt ca. 33%

Die Rückfallhäufigkeit ist ohne stationäre Therapie wesentlich höher.

Die Rückfallhäufigkeit nach einer Therapie ist mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe erheblich seltener.

 

 

Kritische Situationen

Situationen, die ein erhöhtes Rückfallrisiko beinhalten:

- Unangenehme Gefühle wie z.B. Ängste, Überforderung, Einsamkeit, mangelndes Selbstwertgefühl, Depressionen

- Konflikte (z.B. mit Familie, Partner, Kollegen, Freunden)

- Selbstüberschätzung und verminderte/fehlende Achtsamkeit in angenehmen Situationen (Feiern)

- Aufforderung zum Konsum (von Freunden/Bekannten, bei Familienfeiern, Festen) und mangelnde Fähigkeit zur Abgrenzung

- Der Versuch des kontrollierten Konsums

- Verlangen nach Suchtmittel, Verlangen nach der Wirkung des Suchtmittels

- Körperliche Beschwerden, z.B. Schmerzen, Schlaflosigkeit


Besonders Menschen die am Anfang der Abstinenz stehen, kennen die Angst vor einigen dieser Situationen.

 

Was kann helfen?

Selbsthilfegruppen
In Selbsthilfegruppen unterstützen sich Betroffene gegenseitig. Viele sind selbst schon lange Zeit abstinent und sind Vorbilder für andere. Sie haben Erfahrung mit kritischen Situationen und werden auf die Probleme und Schwierigkeiten der Suchtkranken eingehen. Selbsthilfegruppen sind für alle Hilfesuchenden offen und bieten Unterstützung an.

Lernen Nein zu sagen
Viele Situationen erfordern ein klares Nein (verschiedene Feiern, eingeladen sein bei Freunden oder Familie etc).
Bei Freunden, Familie, weiteren nahestehenden Personen ist es oft von Vorteil wenn man sie über seine Sucht informiert. Bei weniger engen Kontakten reicht ein „Nein danke“ oder „Nein danke, ich trinke keinen Alkohol“ völlig aus.

Sich etwas Gutes tun
Treffen Sie sich mit Freunden, beschäftigen Sie sich mit Ihren Hobbys, sorgen Sie für genügend Bewegung, unternehmen Sie immer wieder etwas.

Abstinenz-Karte
Selbsthilfeverbände bieten Abstinenz-Karten oder Notfallpässe an. Sie dienen als kleine Erinnerung, die Betroffenen in kritischen Situationen aufzeigt was Sie tun können, um einen Rückfall zu vermeiden.

Hilfe und Anerkennung
Anerkennung hilft dabei Veränderungen zu festigen, kritische Situationen zu meistern, Neues auszuprobieren. Anerkennung gibt Kraft, weitere Schritte zu gehen. Suchen Sie sich für diese Schritte Hilfe, z.B. Therapeuten, Mitbetroffene, Ärzte etc.