Genuss – Gebrauch – Missbrauch – Abhängigkeit

Eine scharfe Ein- bzw. Abgrenzung zwischen Trinken und Abhängigkeit/Sucht ist nicht möglich. Die Grenzen sind fließend und individuell verschieden – nicht zuletzt sind auch die Mengen und die Häufigkeit entscheidend.

Die moderne Variante in der Beschreibung der Schritte zur Sucht stellt die Begriffe: Genuss, Gebrauch, Missbrauch und Abhängigkeit in den Vordergrund.

Der Genuss beschreibt die nach dem Lust und Laune Prinzip gefällte Entscheidung für ein alkoholisches Getränk. Spontan reagiert der Konsument auf die Frage z.B. von einem Gastgeber nach dem Getränkewunsch – oft in Verbindung mit Geselligkeit, Freude und Gemeinsamkeit beim „Verzehr“.

Der Gebrauch beinhaltet den zielgerichteten Wunsch nach Erleichterung und auch Erlösung von beruflichen, familiären und persönlichen Problemen.

Gleitend geht es in den Missbrauch über, der den spontanen Konsum völlig ausschließt und eine feste Instrumentalisierung in den Vordergrund stellt. Weit entfernt vom genussvollen Trinken wird nur noch die zu erwartende und gewohnheitsgemäße Erleichterung gesehen.

Der Blick fokussiert sich auf die Beschaffung und (ausreichende) Bevorratung des Alkohols, um jederzeit auf das persönliche „Allheilmittel“ zugreifen zu können.

In der Abhängigkeitsphase treten die körperlichen Gelüste nach dem Alkohol noch weiter in den Vordergrund, sei es nur um dem morgendlichen Zittern entgegen zu wirken oder den (Arbeits-) Tag zu erleichtern. Körperliche und seelische Entspannung ist nur noch mit dem Suchtmittel möglich, andere Optionen scheiden gänzlich aus.

Im Laufe der Zeit werden die Mengen immer größer und die Abstände bzw. Trinkpausen immer kürzer, so dass die Sucht bzw. das körperliche Verlangen nach Alkohol den Tagesablauf bestimmt.

Die fünf Typen von Alkoholtrinkern

(nach Jellinek)

Typ Alpha:  (Erleichterungstrinker) 
Er setzt Alkohol bei Problemen, inneren Spannungen, Konflikten ein („Kummertrinker“). Er ist meist seelisch abhängig, dadurch gefährdet auch körperlich abhängig zu werden.

Typ Beta:  (Gelegenheitstrinker) 
Er trinkt bei jeder sich bietenden Gelegenheit in der Freizeit wie Feste, Feiern usw., weil es eben dazu gehört. Er trinkt große Mengen, bleibt aber unauffällig, hat häufig bereits Organschäden, ist zwar weder körperlich noch seelisch abhängig, aber gefährdet. 

Typ Gamma:  (Rauschtrinker, Alkoholiker) 
Hat abwechselnde Phasen zwischen Abstinenz und starker Berauschung. Typisch ist der Kontrollverlust, es wird weiter getrunken auch wenn das Gefühl besteht genug zu haben. Er fühlt sich wegen der Fähigkeit, zeitweise alkoholfrei zu leben sicher, ist aber alkoholkrank. 

Typ Delta:  (Spiegeltrinker, Alkoholiker) 
Durch seine körperliche Abhängigkeit muss er permanent seinen Alkoholspiegel im Blut halten – auch nachts. Die Konzentrationen können anfangs relativ niedrig sein, steigen jedoch in Verlauf der fortschreitenden Krankheit an. 
Der Abhängige ist selten erkennbar betrunken und somit lange sozial unauffällig („funktionierender Alkoholiker“). Da er aber Entzugssymptome vermeiden muss, muss er ständig Alkohol trinken, wodurch körperliche Folgeschäden entstehen. 
Delta-Trinker sind nicht abstinenzfähig und alkoholkrank. 

Typ Epsilon:  (Quartalstrinker, Alkoholiker) 
Er trinkt in unregelmäßigen Intervallen, die dann Tage oder Wochen andauern können. In dieser Zeit erfolgt exzessiver Alkoholkonsum mit Kontrollverlust. Dazwischen kann er monatelang ohne Alkohol leben.
Epsilon-Trinker sind alkoholkrank.