Co-Abhängigkeit

Was versteht man unter dem Begriff Co-Abhängigkeit?

Dieser Begriff macht uns zuerst stutzig. Ist man als Angehöriger jetzt auf einmal selbst abhängig? Wer hat denn die Probleme mit den Suchtmitteln?
Hier erscheint uns der Begriff Co = Compagnon missverständlich.
Unter Compagnon versteht man Teilhaber, Teilnehmer, Mitstreiter oder ähnliches. Es ist die Bezeichnung, das Vorhaben eines anderen zu unterstützen. Sicherlich ist es nicht Absicht, den Angehörigen zu unterstellen, dass sie bewusst und vorsätzlich den Umgang mit Suchtmitteln beim Betroffenen fördern.
Aber wie verhalten sich die Angehörigen?

  • Wollen sie nicht den »guten Ruf« der Familie erhalten?
  • Wollen sie nicht dem Betroffenen Schwierigkeiten ersparen?
  • Werden nicht Ausreden benutzt, um den Konsum zu erklären?

Angehörige wollen helfen, wollen nur das Beste für den Betroffenen. Sie kommen in Erklärungsnot und müssen lügen.
– Sie entschuldigen ihren betrunken im Bett liegenden Partner am Arbeitsplatz.
– Angehörige erklären Freunden und Bekannten, warum der Partner zu viel konsumiert.
Als Angehöriger wird sich so kurzfristig vielleicht Ärger erspart. Also war das doch Hilfe. Der Betroffene macht in solchen Situationen folgende Erfahrung: Wenn es eng wird, hilft mir mein Partner.

Nun wagen wir einen Blick in die Zukunft. Es wird der nächste Tag kommen wo abends zu viel Alkohol getrunken wurde. Damit auch der nächste Morgen, wo wieder ein Anruf in der Firma fällig ist. Da der Chef die letzte »Krankheit« geglaubt hat, was meinen Sie wer den notwendigen Anruf wohl tätigen soll? Natürlich Sie als Angehöriger. 
Schließlich ist es beim letzten Anruf auch glaubhaft angekommen.

Wer kann co-abhängig werden und wie wird man co-abhängig?

Jeder der mit Abhängigen zu tun hat und helfen will. Die Co-Abhängigkeit verläuft in der Entwicklung jedoch schleichend und für den Co-Abhängigen selbst meistens unbemerkt.
Obwohl Co-Abhängige unter ihrer Situation leiden, die Zusammenhänge nicht erkennen, verstricken sie sich doch immer mehr in der Problematik helfen zu wollen. Die bisherigen fehlgeschlagenen Versuche der Hilfe werden als Misserfolg gewertet. Also wird versucht die Hilfe noch zu verstärken.

Sind Co-Abhängige mitschuldig an der Sucht des Partners?

Co-Abhängige tragen durch ihr Verhalten ungewollt zum Fortbestehen der Sucht bei. Trotzdem kann man nicht sagen, dass Sie als Partner oder Angehöriger schuldig an der Abhängigkeit sind. Um schuldig zu sein müssten Co-Abhängige ihre falschen Verhaltensweisen einsehen und verstehen, somit dem Abhängigen schaden. Co-Abhängige wollen ja
helfen, versuchen Schaden von sich und ihrem Partner fernzuhalten.

Was kann gegen Co-Abhängigkeit getan werden?

Es ist kein leichter Weg, aber gut, wenn man dabei Hilfe hat, um die Mechanismen der Abhängigkeit/Co-Abhängigkeit zu verstehen. Angehörige brauchen selbst therapeutische Hilfe und sollten sie in Anspruch nehmen. Auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige verspricht eine positive Veränderung der Gesamtsituation.
Jeder Angehörige oder Partner eines Abhängigen sollte grundsätzlich versuchen, etwas
für sich selbst zu tun und dafür zu sorgen, dass er selber in seiner Situation Hilfe bekommt.
Keiner sollte warten, bis der Abhängige bereit ist für eine offene Beziehung, ehrlich gegen sich selbst und andere, Konflikten nicht mehr ausweicht und Eigenverantwortung übernimmt.